Krisenmodus. Welten prallen aufeinander. Vernunft, Idealismus und Extremismus. Natürliche Reaktionen bei der Bewältigung großer Herausforderungen in einer freien Welt. Doch wer reagiert in welcher Weise? Du musst einen Menschen schon gut kennen, um seine Reaktionsweisen unter Stress einschätzen zu können. Oder aber Du verstehst es, seinen Zeigefinger zu interpretieren. Willkommen in der Welt von Hasta Sāmudrika, dem Vedischen Handlesen.

Er kann lang, kurz, dick oder dünn sein. Kann gerade, gebogen, eng gehalten oder abgespreizt sein. Jedes seiner drei Glieder kann unterschiedlich ausgeprägt sein. Der Zeigefinger. Im Handlesen: der Jupiterfinger. Er zeigt viele Varianten und natürlich sollten diese im Idealfall mit all den anderen Ausprägungen und Zeichnungen der Hand abgeglichen werden. Besagten Reaktionsweisen auf der Spur, behalten wir das respektvoll im Hinterkopf, während wir einen pragmatischen Ansatz wählen, mit dem Du gleich Deine eigenen Erfahrungen sammeln kannst.

Zwei Namen des Jupiterfingers erinnern uns an die vedische Herkunft von Hasta Sāmudrika: Tarjani und Pradesha. Als Tarjani ist er der strafende und als Pradesha der lehrende Finger. Damit sind zwei Filter gesetzt, die uns Einblick in das übergeordnete Thema des Zeigefingers geben: Der Jupiterfinger ist der Maßstab dafür, wie wir uns in Gemeinschaft verhalten. Das Spektrum reicht von aufdringlicher Dominanz oder verständnisvoller Fürsorge, bis zu höriger Unterordnung oder hilfsbedürftiger Unselbständigkeit. Schauen wir uns das genauer an!

Dein Verhalten in Gemeinschaft

Ist der Jupiterfinger lang, dann ist Dein Selbstbewusstsein groß. Ohne Scheu teilst Du Dich Deiner Umgebung mit. Ist er dabei schlank, dann geschieht das angemessen und vernünftig.

Der kurze Jupiterfinger zeugt von weniger Selbstvertrauen. Jetzt wird die zweite Reihe zu Deinem bevorzugten Platz. Allerdings nur, wenn Dein Zeigefinger gleichzeitig schlank ist und damit Höflichkeit Dein Verhalten prägt.

Ist der Jupiterfinger im Verhältnis zu den anderen Fingern dick, dann wird schon mal dick aufgetragen. Das Geltungsbedürfnis und der Wunsch zu dominieren zeigen sich deutlich. Die Bandbreite reicht von dünn (zurückhaltend), über schlank (höflich) und viel Substanz (führend) bis dick (aufdringlich).

Wie Du die Länge des Jupiterfingers bestimmst:

Lege Deine Hand mit dem Handrücken nach oben flach auf den Tisch und achte darauf, dass die Finger in Verlängerung des Unterarms ausgerichtet sind (das Handgelenk also nicht abgeknickt ist). Halte die Finger zusammen. Jetzt vergleiche die Länge des Zeigefingers mit der des Ringfingers. Da der Ringfinger in seiner Länge kaum variiert, ist es der Zeigefinger, der aus der Reihe tanzt. Im Optimalfall sind beide gleich lang. Ist der Zeigefinger länger, dann handelt es sich um einen langen Zeigefinger. Ist er kürzer als der Ringfinger, dann ist der Zeigefinger kurz.

Der Tanz aus Länge und Substanz

Und schon beginnt der Tanz aus Länge und Substanz. Vernunft geht einher mit einem schlanken Finger. Für Extremismus benötigen wir – das indiziert schon das Wort – die Extreme. Sehr lang, sehr kurz, sehr dick, sehr dünn. Doch auch das reicht noch nicht, um die Norm in Richtung Extremismus zu verschieben. Dafür bedarf es Asymmetrie on-top, z.B. in Form gebogener Finger. Ein Jupiterfinger, der die Extreme in seiner Ausprägung kombiniert und gleichzeitig Richtung Daumen gebogen ist, hat das Zeug Extremismus zu indizieren.

Bleibt der Idealismus. Ein schlanker oder dünner, langer Jupiterfinger, dessen Fingerkuppe relativ spitz zuläuft, ist der Klassiker, der die Idealisten unter uns outet. Die gleiche Fingerausprägung etwas kürzer unterstreicht ebenfalls die idealistische Ader, versagt dieser aber die große Bühne für den Schaulauf.

Mit der Zeit schulst Du Deinen Blick und erkennst schnell die Form und Ausprägung des Jupiterfingers in den Händen der Menschen in Deiner Umgebung. Du wirst sehen, dass die meisten Zeigefinger unserer vernünftigen Modellvariante entsprechen. Wen wundert’s? Wäre die Masse der Menschen nicht vernünftig, dann hätten wir, mangels Artgenossen, kaum mehr Hände zum Lesen. Und schließlich bedarf es all der Vernünftigen, damit die Paradiesvögel, in Verkleidung von Extremisten und Idealisten, im Krisenmodus überhaupt jemanden auffallen. Ach ja, und solltest Du den Eindruck gewinnen ausschließlich von potenziellen Extremisten und Idealisten umgeben zu sein, dann lohnt es sich, Deinen eigenen Jupiterfinger nochmal genauer unter die Lupe zu nehmen!