Schon mal Angela Merkel aus der Hand gelesen? Wiederholt hat unsere Kanzlerin uns dazu aufgefordert: Beim Amtseid für jede ihrer Kanzlerschaften. Jedes Mal die Gelegenheit ihre Hand aus einer (fürs Handlesen) vorteilhaften Pose zu studieren.

Aus Copyright Gründen kann ich hier kein Bild anbieten. Mit diesem Link landet ihr jedoch direkt bei drei ihrer Amtseidposen.

Wäre Frau Merkel die Regentin einer anderen Epoche, hätten ihre Ratgeber ihr vermutlich mittels Handlesekunst vorausgesagt, dass sie die letzte Wahl zwar deutlich gewinnen würde, aber erst nach langwierigen Verhandlungen die Regierungsverantwortung übernehmen könnte. Zugegeben bräuchte es dafür einer genaueren Untersuchung der Hand. Aber auch aus der Amtseid-Pose lassen sich, durch Form und Haltung von Hand und Fingern, bereits einige Bestätigungen ihrer Persönlichkeit und Handlungsweisen ableiten.

Merkels mitteilsame Hand

Die Handballen und die Basis ihrer Finger sind stark ausgeprägt und geben dem Handteller klare Konturen. Ein hohes Pensum an Energie, Belastbarkeit und konservative Bodenständigkeit sind die Folge. Der Handteller ist länglich, die Finger im Verhältnis dazu kurz. Beides in Kombination führt zu motiviertem Handeln, ambitionierten Zielen und dem Wunsch zu führen. Da alle Finger dicklich sind, insbesondere die Basisglieder, hat Angela Merkel einen Sinn fürs Praktische und handelt mitunter sehr instinktiv. Sinnliche Genüsse sind für sie wichtig, wobei Quantität im Vordergrund steht. Mit Stil und Ästhetik hält sie sich nicht lange auf. Auffallend ist, wie sich der Ringfinger an den Mittelfinger anschmiegt. Ein Zeichen für ihr ausgeprägtes Sicherheitsdenken. Pflicht und Verantwortung stehen für sie immer im Vordergrund, wobei Risiko und Kreativität nicht ihre Stärken sind. Ihr breiter und dicklicher Daumen verleiht ihr Durchsetzungskraft und einen eisernen Willen. Der gerade und lange Zeigefinger Führungskompetenz.

Das Handlesen spielte in vielen Kulturen und Zeit-Epochen eine wichtige Rolle. Wie könnte es auch anders sein, ist die Hand doch das sensibelste und individuellste Körperteil des Menschen, verantwortlich für Handfertigkeit und kreative Gestaltung jeglicher Art. Betrachtet man sich eine Hand genauer und vergleicht sie mit Händen anderer Menschen, wird schnell klar wie einzigartig jede Hand ist. So einzigartig wie der Mensch hinter der Hand. Nicht nur besteht sie aus immerhin 27 Knochen, die unterschiedlich ausgeprägt sein können und der individuellen Hand ihre Form geben. Vielmehr verfügt sie zudem über diversen Linien und Markierungen, die Hautstruktur, die Fingernägel und Fingerabdrücke. Zusammen ergibt sich daraus ein unermesslicher Fundus an Details, der die Einzigartigkeit jeder Hand vielfältig belegt.

Fehlt nur noch ein Übersetzungs-Instrument, um zu wissen, was welches Detail über das Leben eines Menschen aussagt. In der vedischen Wissenskultur ist das Hasta Sāmudrika Śāstra. Doch Hasta Sāmudrika wäre nicht Teil der vedischen Tradition, wenn es nur um die Auflistung von Fakten ginge. Erst wenn diese Fakten auf ein tiefes Verständnis der fünf Elemente, der drei essenziellen Qualitäten (Triguṇa) des Lebens und der Philosophie von Karma treffen, gelingen dem geschulten Handleser Aussagen von erstaunlicher Präzession.

Die Merkel-Raute

Die Handlesekunst beschränkt sich allerdings nicht auf die Betrachtung der unbewegten Hand. Auch ihr dynamischer Einsatz in individuellen Gesten und bevorzugten Handpositionen spricht Bände. Eines der Markenzeichen von Angela Merkels ist die nach ihre benannte Merkel-Raute. Dieser Lieblingsposition ihrer Hände ist immerhin ein eigener Wikipedia Eintrag gewidmet.

Alle Finger der rechten Hand berühren dabei die entsprechenden Finger der linken Hand, wobei die Daumen deutlich abgespreizt werden und zusammen mit den ebenfalls abgespreizten Zeigefingern eine Raute bilden. Zeigefinger und Ringfinger liegen auch hier wieder in beiden Händen aneinander.

Um zu verstehen, wie individuell diese Handhaltung ist, empfiehlt es sich sie einmal selbst zu simulieren. Für die meisten Menschen dürfte sich das ungewohnt anfühlen. Für Angela Merkel aber ist es so natürlich, dass ihre Finger jederzeit von ganz allein in dieser bevorzugten Position landen. Doch was besagt diese?

Die beiden vor der Körpermitte zueinander geführten Hände zeigen einen großen Sinn für Konsens. Aktives und Passives, Aktion und Reaktion, Rajas und Tamas werden ausgeglichen.

Rund um den Globus ist die nebenstehende Position der Hände ein Ausdruck von Demut, eine Gebetshaltung und in vielen östlichen Ländern eine Geste des Grußes. Auch hier werden die Hände vor dem Körper zusammengeführt. Ein Zeichen das eigene Ego zurückzunehmen und eigenes Handeln in den Dienst des anderen zu stellen.

Doch während in der Demutsgeste die Hände vor der Herzgegend ein nach oben zeigendes Dreieck bilden, formt Angela Merkel vor dem Sonnengeflecht eine Raute, bei der beide Daumen zu ihr zeigen und die restlichen Finger zu ihrem Gegenüber.

In Vāstu, der vedischen Kunst von Form und Design, steht das Dreieck für Inspiration und Spiritualität, die Raute aber für Stabilität und Sicherheit.

Erfolgreiche Rauten-Politik

Willens- und Handlungskraft eines Menschen leiten sich von dessen Daumen ab. Daher ist der Daumen in der östlichen Grußposition verdeckt. Angela Merkel hingegen zeigt mit den gespreizten Daumen zu sich selbst und richtet alle anderen Finger auf ihren Gesprächspartner. Das Ganze vor der zentralen Schaltstelle des Stoffwechsels, dem Sonnengeflecht.

Man darf erwarten, dass die Lieblingshandhaltung von Angela Merkel ihre Rolle widerspiegelt, als eine der einflussreichsten Frauen in der Politik unserer Tage. Und das tut sie wie folgt: Merkel regiert, indem sie aus jedem Anliegen zunächst einmal den Schwung herausnimmt, indem sie nach Kompromissen sucht (Hände kommen vor dem Körper zusammen). Sie kommt dem folgend zu Entschlüssen, die sicherheitsbetont und wenig kreativ sind (Ringfinger und Zeigefinger zusammen), aber auch für jeden etwas anbieten. Sie entscheidet unangefochten (abgespreizte Daumen zeigen zu ihr) und delegiert geschickt Verantwortung (alle anderen Finger zeigen von ihr weg). Kein Meinungswechsel, kein Skandal und kein Ministerwechsel sind bis dato je auf sie zurückgefallen. Für den einen oder anderen mag diese Art zu regieren emotionslos oder gar langweilig erscheinen. Erfolgreich für Angela Merkel als Kanzlerin ist es allemal.

Ihre viel belächelte Handhaltung ist ein Symbol dieses Erfolges.